1. Dezember: Macht hoch die Tür!

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ singen wir -und wir sehen: Das Tor ist offen und weit.
Schwarz und wuchtig steht die eine Seite da.
Sicher sollte das Tor sein, fest und verschlossen, unverrückbar. Niemand sollte hinein!
Jetzt ist es offen, der eine Torflügel leuchtet freundlich rot, Licht kommt aus dem Tor.
Geh einen Schritt weiter, geh auf das Tor zu,
und schon stehst du im Licht, das dir entgegenfließt.
Das Licht vertreibt die Schatten, erhellt, was dunkel und quer liegt auf deinem Weg.
Warum war das Tor so dunkel, abweisend, wie tot?Was ist dahinter verborgen, gehütet und geschützt?
Sieh das Gold, so groß und herrlich im Tor!
Es erzählt von Gott, dem Herrn der Herrlichkeit.

Einmal wurde das Tor zum Paradies verschlossen, denn der Mensch wollte „sein wie Gott“. Alles wollte er sein und nicht mehr seinem Schöpfer danken, seinem Gott, der ihn als sein Abbild ins Leben rief.
Verschlossen wurde das Tor, der Mensch war fern vom Leben mit Gott.
Gott kannst du nicht erobern, nicht erringen,
nicht machen, nicht kaufen, nicht gewinnen
Advent – Wir warten, glauben, hoffen und danken.
Gott selbst ist es, er öffnet das Tor.
Advent – Gott zeigt dir schon die Stadt der Herrlichkeit.
Keine Nacht ist dort, Gott selbst ist das Licht.
Advent – Rufe durch die Zeit nach diesem Licht,
nach Jesus, dem König aller Königreiche.
O wohl dem Land, o wohl der Stadt, die diesen König bei sich hat.

Adventlich leben

Öffne dein Tor! Vor vielen Toren und Türen stehst du jeden Tag, bei jeder Begegnung: offen oder verschlossen, zur falschen Zeit oder gerade recht, einladend oder abweisend, geduldet oder erwartet. Dein Leben ist wie ein Weg von Tor zu Tor.
Was suchst du hinter all den Toren?
Das Leben, das größer ist und weiter als jeder Tag, Leben in Frieden und Fülle, in Gemeinschaft und Verstehen, in Gerechtigkeit und Würde.
Wie viele Fragen, Sorgen, Mühen und Enttäuschungen sind auf dem Weg?
Darum rufen wir durch das Dunkel der Zeit: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“
Doch das Tor ist offen. Gott hat sich gezeigt! Gott selbst geht den Weg zu dir,
Jesus, das Leben, ist auf dem Weg.
Er fragt dich: Bist du – offen wie ein Tor? Er will bei dir eintreten.
Dein König will deine Mitte sein, die Freudensonn.
Advent – „Komm, o mein Heiland, Jesus Christ!“
Du nimmst mir die Angst um mich selbst
und öffnest meine Augen für Freude und Leid der andern;
Heilst meine Ohren, um zu hören von Hoffnung und Not;
Stärkst meine Hände, um zu empfangen und zu geben:
Erfüllst mein Herz, dass es mitfühlen und lieben kann.
Advent – „Dein Heilger Geist mich führ und leit!“
Für wen werde ich heute (morgen) zum Segen sein?
Es kommt der König auch zu euch,
ja Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

 (aus „Da haben die Dornen Rosen getragen“, Esther Kaufmann, Meinulf Blechschmidt © Klostergemeinschaft Spabrücken e.V. 2018 – Bild:  Christel Holl, Rastatt, 2018)