3. Dezember: Adventskrimi-Rätsel mit Kommisar Bloch (1)

Zweige für St. Barbara

Der Hans-Fallada-Platz war als Drogenumschlagplatz verschrien. Gleichzeitig waren hier die St. Bartholomäus-Kirche und ein sehr schöner, kleiner Park mit Ginko- und Lindenbäumen sowie einigen Magnolien gelegen. Tagsüber sah man im Park junge Mütter mit Kinderwagen, Touristen, Kirchenbesucher und Spaziergänger, aber am späten Abend wandelte sich das Bild völlig. Die Drogenkonsument*innen wurden immer jünger, zum Teil waren Schulkinder im Teenageralter darunter, was Kommissar Bloch besonders schmerzte.
Am späten Abend des vierten Dezember – er kam wie jeden Dienstag vom Volleyballtraining mit anschließendem Stammtisch und war, des Bieres wegen, zu Fuß unterwegs – sah er im Park zwei junges Mädchen im Gebüsch herumlungern. Sie mochten höchstens sechzehn Jahre alt sein; das war in dem Alter für ihn schwer zu schätzen. Ein ganz ungefährlicher Aufenthaltsort war es für die Teenager sicher nicht. Die gehörten seiner Meinung nach um diese Zeit ins Bett. Erst vor zwei Wochen hatte es nachts im Park eine Messerstecherei unter Dealern gegeben.
Harry Bloch sprach die beiden Mädchen an und fragte, was sie so spät im Park trieben. Die eine, die trotz der Kälte nur Leggins und dünne Schuhchen trug, gab sich selbstbewusst. „Wir sind im Auftrag des Pfarrers hier“, behauptete sie und zeigte zur St. Bartholomäus-Kirche. „Heute ist doch der Gedenktag der heiligen Barbara und wir sollen Barbarazweige schneiden.“
„Hier im Park?“
„Er sagte, gleich vor der Kirche.“
„Sie können uns ruhig glauben. Wir haben sogar ein Taschenmesser“, sagte die zweite kess und hielt eine Schweizer Klinge in die Höhe.
„Trotzdem ein bisschen spät für so einen Auftrag“, beharrte Bloch.
„Wir sollten das auch früher machen“, gab sich die erste zerknirscht. „Aber dann haben wir so lange für die Hausaufgaben gebraucht. Es muss aber noch heute sein, weil heute der St. Barbara-Tag ist. Man muss genau an diesem Tag die Zweige abschneiden und ins Wasser stellen, damit sie zu Weihnachten blühen. Wenn man den Termin verpasst, dann gilt es nicht!“
Sie hatte sehr überzeugend gesprochen, und die drei Pils hatten dem Kommissar zugegebenermaßen ein wenig den Kopf vernebelt. Er riss sich zusammen und blickte streng. „Also im Religionsunterricht habt ihr gut aufgepasst. Großes Lob! Oder seid ihr gar bei den Ministrant*innen? Aber im Biologieunterricht habt ihr wahrscheinlich geschlafen. Geht nach Hause, schlaft euch aus und erzählt eure Gute-Nacht-Geschichte jemand anderem.“

Welcher Teil der Story hatte ihn nicht überzeugt?

(Die Auflösung gibt es morgen.)