7. Dezember: Die Pflicht ruft

Die Pflicht ruft                        

In jenen Tagen erließ der Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner in Steuerlisten einzutragen.
(Lk 2,1)

Der Kaiser befiehlt. Seine Untergebenen müssen dem Befehl entsprechen, sich aufzumachen, die Pflicht erfüllen. Nicht alle triffts es gleich. Während einige sich unmittelbar nebenan eintragen lassen können, müssen Maria und Josef zu einem ungeeigneten Zeitpunkt unter erschwerten Umständen aufbrechen und eine lange, beschwerliche Reise auf sich nehmen.

In unserer Zeit ist es im Grunde gleich. Zwar befiehlt kein Kaiser, und wir müssen uns nicht in Steuerlisten eintragen lassen. Das sind wir bereits. Wir haben moderne Kommunikationsmittel. Und doch: immer wieder werden uns Aufgaben gestellt. Wir werden verpflichtet, das oder jenes zu tun. Vorgesetzte, Arbeitgeber, Gesetze verlangen von uns sehr viel. Oft zu einer Zeit, die uns gar nicht passt; in einer Situation, die uns ohnehin schon Mühe macht; in einer Art, die uns nicht entspricht; in einer Intensität, die uns beinahe überfordert. Viele von uns haben einen befehlenden Kaiser in sich. Er verlangt immer öfter immer mehr. Er ist nie zufrieden. Kaum haben wir etwas erreicht, stellt er neue Forderungen, unerbittlich, unnachgiebig, hart. Er hat von uns Besitz genommen, uns besetzt. Er hetzt uns vorwärts, lässt uns nie zufrieden sein, nicht ruhen. Wir leiden unter ihm. Erleben immer wieder aufs Neue, wie er unser Leben beeinträchtigt. Wagen wir es, ihm zu widersprechen, ihn zu bekämpfen, für ein ruhiges, glückliches Leben einzustehen? Oder bleiben wir ihm ein Leben lang ausgeliefert?

aus „Einander Engel sein“ Max Feigenwinter

Pflicht

Alles bekämpfen, was Entfaltung verhindert.
Alles unterstützen, was Entwicklung fördert.
Alles tun, damit wir das werden,
was wir letztendlich sein können.
Nicht zulassen, dass mich Erfolge vorwärts hetzen,
Verpflichtungen behindern,
Gebote einengen,
Aufgaben ersticken,
Forderungen erdrücken
Wahrnehmen, was angelegt ist,
behutsam pflegen, was in mir wächst,
stark und bereit werden
für das was auf mich zukommt,
mich ausrichten auf das,
was letztlich wichtig ist.