10. Dezember: Adventskrimirätsel mit Kommissar Bloch (2)

Ein weiteres Krimirätsel mit Kommissar Bloch
© aus  „Der Christbaumdieb“ – 24 neue himmlische Rätselkrimis, Benno-Verlag

 Der gefälschte Räuchermann

Am Samstag vor dem dritten Advent waren Harald Bloch und seine Ehefrau Daniela bei der Schwiegermutter zum Kaffeetrinken eingeladen. Ihr  halbwüchsiger Sohn Benjamin hatte sich erfolgreich davor gedrückt, und Harry Bloch bedauerte, dass er das nicht ebenso tun konnte. Eine Ausrede hätte seine Frau nicht gelten lassen.
So saßen sie am frühen Nachmittag im überheizten Wohnzimmer von Emmi Lehmann und aßen Stollen und Kuchen. Dazu servierte Emmi, wie Harald Bloch missbilligend feststellte, erstaunlich dünnen Kaffee. Stirnrunzelnd blickte er in seine Tasse, fast sicher, er würde den Boden des Porzellans durch das fadenscheinige Getränk hindurch sehen können. Daniela stieß ihn warnend unter dem Tisch mit dem Fuß an.
„Harald, nimm dir noch Kuchen!“, rief die Schwiegermutter in Befehlston. Etwas widerstrebend betrachtete Bloch die Sahnetorte. Es war zwar erst Mitte Dezember, aber er hatte schon so viel geschlemmt, dass er sich fühlte wie ein gestopfter Puter. Er sah sich um. Die gute Stube war mit allerlei zur Jahreszeit passendem Dekokram vollgestellt. Besonders die erzgebirgische Handwerkskunst hatte es Emmi angetan. Wohin man auch sah, überall begegnete man den finsteren Blicken von Nussknackern und Räuchermännern. An jedem möglichen Platz standen bemalte Engel, Pyramiden, Leuchter und in jedem Fenster ein Schwibbogen. Harry Bloch war das alles zu eng und zu viel. Er stand auf, um sich etwas Bewegung zu verschaffen, und ging zum Fenster. „Harald, nimm dir doch noch Kuchen!“, rief Emmi wieder. „Noch Kaffee, Dani?“ Seine Frau nickte und aß mit gutem Appetit Stollen.
„Ein schöner Räuchermann, ist der neu?“, fragte Bloch und zeigte auf eine besonders große Holzfigur, die auf einem der Tischchen neben dem Fenster stand. Der Räuchermann war als Förster gekleidet und trug ein grünes Hütchen auf dem Kopf. In der einen Hand hielt er ein Fernglas, in der anderen eine Pfeife. Sein Mund war zum räuchermanntypischen „OH“ geöffnet, was ihm ein erstauntes Aussehen verlieh, so als wundere er sich darüber, dass er sich gar nicht im Wald, sondern in Emmis guter Stube befand. „Ja, den hat mir Ottmar kürzlich geschenkt“, sagte Emmi mit Wohlwollen. Ottmar war der jüngere Bruder von Daniela.
„Interessant“, sagte Bloch und nahm den Räuchermann in die Hand. Von seinem Schwager wusste er, dass er häufig knapp bei Kasse war, weil er regelmäßig Geld bei Pferdewetten verlor. Und erzgebirgische Handwerkskunst war teuer. Er öffnete den Räuchermann, wobei ihm feine Rauchspuren zeigten, dass Emmi ihn schon in Betrieb genommen hatte. Innen war der hohle Mann genauso fein geschliffen wie außen. Bloch steckte die Teile wieder zusammen und besah sich die Unterseite. Dort war ein Stempel mit dem Hinweis „Echt erzgebirgische Handarbeit aus Seifen“ zu lesen.
„Harald, bitte stell meinen Räuchermann wieder hin und setz dich“, rief die Schwiegermutter. „Du machst mich ganz nervös! Und nimm noch Kuchen!“ „Weißt du zufällig, wo Ottmar den gekauft hat?“, fragte Harald.
„Na, im Erzgebirge, nehme ich an!“, entgegnete Emmi indigniert.
„Ich vermute, er war eher auf einem Asiamarkt in Tschechien“, überlegte der Kommissar laut. Dass es auch bei Handwerkskunst Markenfälschung gab, war ihm neu. Aber dieses „Raachermannel!“ war ganz sicher nicht echt.

Woran erkannte Kommissar Bloch die Fälschung?

Die Auflösung erfahren Sie morgen