17. Dezember: Adventskrimi mit Kommissar Bloch (3)

Das dritte Krimirätsel mit Kommissar Bloch
© aus „Der Christbaumdieb“ – 24 neue himmlische Rätselkrimis, Benno-Verlag

 Der gefüllte Weihnachtskarpfen

An einem Mittwochnachmittag kurz vor Weihnachten erhielt Kommissar Bloch einen Anruf aus dem Fundbüro. Ein aufgeweckter Kollege meldete, ein Diamant sei auf ungewöhnliche Weise gefunden worden. Es handle sich womöglich um Diebesgut. Schnell war der wertvolle Stein identifiziert: Er war vom erfolgreichen Unternehmer H. Mossmann bereits vor drei Wochen als gestohlen gemeldet worden. Der Unternehmer hatte ihn seiner Gattin zu Weihnachten schenken wollen.
Kommissar Bloch befragte sofort die ehrliche Finderin. Die Rentnerin Frau Hähnchen war an diesem Tag über den Weihnachtsmarkt gebummelt und hatte bereits zwei Gläser Eierpunsch geleert, als sie eine herrenlose Einkaufstasche bemerkte, die an einen der Glühweinstände gelehnt war. „Niemand wusste, wem die gehörte. Da ab ich sie erst mal mitgenommen“, erzählte sie aufgeregt. „Wollte sie ins Fundbüro bringen. Aber erst wärmte ich mich zu Hause auf, na, und schaute mal hinein.“
Im prall gefüllten Beutel fand sie diverse Weihnachtseinkäufe: Elisenlebkuchen, ein paar kleinere bereits verpackte Geschenke, ein Räuchermännchen, eine Tüte gebrannte Mandeln, und ganz zuoberst in einer Papiertüte und zusätzlich einer Plastiktüte nicht ganz geruchsdicht verpackt: ein frischer Karpfen. „Der wäre doch schnell schlecht geworden in so einem Fundbüro. Ich hab ihn sofort ausgenommen und zubereitet und dabei im Inneren den Diamanten gefunden.“
„Sehr gut; Sie haben alles richtig gemacht“, beruhigte Bloch die aufgeregte Frau. Dankend nahm er auch die übel riechende Verpackung des Fisches an sich, die Frau Hähnchen extra mitgebracht hatte. Er strich die Papiertüte glatt und las den Aufdruck „Karpfenzucht Olbricht“.
Das Unternehmen Karin Olbricht war schnell ausfindig gemacht. Frau Olbricht war überaus geschäftstüchtig. Sie verstand das Anliegen des Kommissars nicht gleich, sondern rief ins Telefon: „Die Karpfen sind für heute alle ausverkauft. Anfang nächster Woche bin ich mit neuer Ware wieder auf dem Markt. Sie können gerne vorbestellen.“
Als sie Bloch endlich ausreden ließ und verstand, worum es ihm ging, berichtete sie: An diesem Tag sei sowieso alles drunter und drüber gegangen. Sie hatte die Karpfen früh aus dem Teich geholt, dann waren die ratzfatz ausverkauft und mehrere Kunden hatten Stress gemacht, weil am frühen Nachmittag keine Karpfen mehr da waren. Und zwischendrin hatte ihr Bruder angerufen, das sie ihm doch einen Karpfen versprochen hatte. Der mit dem bläulichen Fleck an der Seite. Wo der denn sei. Einen anderen wolle er nicht. Kommissar Bloch nickte und machte sich Notizen. Dann twitterte er auf dem Polizeiaccount: „Weihnachtsgeschenke mit Karpfen gefunden. Abzuholen auf dem Revier ab 19 Uhr.“ Abends kurz vor sieben standen drei Menschen im Revier, die an diesem Tag ihre Weihnachtseinkäufe verloren haben wollten.
Henning Kriesebeck, Hausmeister in einem Seniorenheim, konnte keine genauen Angaben zu den Einkäufen machen. „ Das weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall war ein Portemonnaie drin in der Tasche und ein Karpfen.“
Die Lehrerin Martina 1Hannsen konnte sich nicht mehr genau erinnern, was sie alles eingekauft und später unter Einfluss von Glühwein verloren hatte. Lebkuchen, gebrannte Mandeln und ein Räuchermännchen waren aber mit Sicherheit dabei. Und sie wollte gern alles wiederhaben, auch den Karpfen.
Die Krankenschwester Christina Wolf konnte die große Einkaufstasche samt Inhalt recht gut beschreiben. Da wären auch bereits eingepackte Geschenke für ihre Nichten und Neffen dabei gewesen.
„Das trifft sich gut“, sagte Kommissar Bloch. „Die Sachen haben wir fast alle hier. Außer dem Karpfen.“
„Was ist mit dem Karpfen passiert?“, fragte Frau Wolf.
„Die Finderin hat ihn zubereitet und bereits verspeist. Wenn Sie allerdings an Fischschuppen als Glücksbringer glauben – es heißt ja, das Geld ginge dann im neuen Jahr niemals aus -, die Reste hat sie alle dagelassen.“

„Ach, nein, was soll ich mit Fischabfällen“, wehrte Frau Wolf ab. „Ich bin froh, dass die übrigen Einkäufe wieder da sind.“
„Damit bleibt nun nur noch eine dringend tatverdächtige Person übrig“, sagte Bloch. Wen meinte er?

Die Auflösung erhalten Sie morgen.