Der Pastorale Weg im Bistum Mainz

Die katholische Kirche verändert sich: die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, es gibt weniger Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferent(inn)en , die Kirchensteuereinnahmen werden zurückgehen.

Bischof Peter Kohlgraf hat den Pastoralen Weg ausgerufen, um die Kirche im Bistum Mainz weiter zu entwickeln und zu erneuern. Seine zentrale Frage lautet: „Wie können und wollen wir heute und 2030 unser Christsein leben?“ Ausgehend von dieser Frage sollen die Seelsorge und die Strukturen der Pfarreien neugestaltet werden. Die Zielvorgabe des Bischofs ist, dass es dann 50 Pfarreien statt der bisherigen 132 Pfarrgruppen im Bistum geben wird. Der Begriff Pfarrei wird künftig für eine größere Einheit verwendet, innerhalb derer es mehrere Gemeinden gibt. Das aktive Gemeindeleben wird weiterhin vor Ort stattfinden. Dabei wird die Gemeinde vom Seelsorgeteam der Pfarrei unterstützt und begleitet. Neben der Gemeinde sind weitere Kirchorte Teil der künftigen Pfarreien. Solche Kirchorte sind alle Orte und Gruppierungen, an denen Glauben öffentlich gelebt und vermittelt wird. Das können zum Beispiel die Kitas, Krankenhäuser, Altenheime, die Jugendverbände und die Beratungsstellen der Caritas sein.

Der Pastorale Weg ist für die Dauer von 2019 bis ins Jahr 2030 angelegt und in drei Phasen unterteilt. In der ersten Phase des Prozesses haben die insgesamt 20 Dekanate den Auftrag, pastorale Konzepte zu entwickeln. Das heißt, die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden vor Ort überlegen gemeinsam, welche Themen und Schwerpunkte in ihrer Region zentral sind. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf den Familien, Jugendlichen, älteren Menschen und Armen. Zudem soll ein Vorschlag für die neuen Strukturen der Pfarreien entwickelt werden. Die entwickelten Konzepte werden dann mit den Überlegungen auf Bistumsebene abgestimmt und umgesetzt.

Der Pastorale Weg im Dekanat Rodgau

Nachdem die Fahrt zum Pastoralen Weg mit der Corona-Pandemie jäh ausgebremst wurde, trug das Dekanatsprojektteam in Videokonferenzen erste Ergebnisse aus den Themengruppen zur Wahrnehmungsphase zusammen, diskutierte und wertete sie aus. Daraus resultierend wurden fünf Thesen zu den zukünftigen Herausforderungen der Pastoral im Dekanat Rodgau formuliert. Im Statusgespräch mit Vertretern des Bistums am 08. Juni 2020 in Mühlheim-Lämmerspiel konnten die bisherigen Ergebnisse vorgestellt und reflektiert werden. Es war ein offenes und konstruktives Gespräch. Die Vertreter*innen des Bistums sehen das Dekanat auf einem guten Weg und ermutigen das Dekanatsprojektteam den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen… In einer „Sommertour“ wird in den nächsten Wochen der Dialog mit den Räten vor Ort gesucht.

Die fünf Thesen zur zukünftigen Pastoral im Dekanat Rodgau

1.These
Wir leben als Kirche in einer konkreten Gesellschaft. Deshalb ist es für uns als Kirche wichtig, sich für die Gesellschaft zu Öffnen und sich in der Gesellschaft einzubringen, z.B. in kommunalen Netzwerken mitzuarbeiten und diese mitzugestalten.*
*Dies gilt bei der Planung der zeitlichen/personellen Ressourcen zu berücksichtigen. Caritas als Kooperations- und Vernetzungspartner ist hier ebenso von Bedeutung.

 2.These
Die Kirche hat den Auftrag, den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden und für die Menschen da zu sein. Deshalb muss sie verstärkt den inneren Kreis von Kirche öffnen, indem sie hinhört, wahrnimmt, was die Situation der Menschen vor Ort und in der Gesellschaft ausmacht.

3.These
Die Kirche begleitet Menschen auf ihrem Lebensweg, in unterschiedlichen Situationen durch konkretes christliches/diakonisches Handeln (Lebensbegleitung, Rituale, Sakramente, Segensfeiern, Trauerbegleitung, KiTas, Schulen, Altenheime etc.).
Dabei sollen Familien, Jugendliche, Senioren und Arme/Bedürftige besonders in den Blick genommen werden.*
*In den Gesprächen mit den Kommunen wurden diese Zielgruppen besonders hervorgehoben, da wesentliche Herausforderungen in Zukunft mit ihnen verbunden sind. Zugleich wurden diese Zielgruppen vom Bischof selbst unter den 4 Optionen benannt.

4.These
Der Blick von Kirche und Pfarreien soll verstärkt auf die diakonisch/caritative Arbeit gelenkt werden (Diakonia). Sie ist ein gleichwertiger Grundvollzug von Kirche wie Martyria (Bekenntnis), Liturgia (Gottesdienst) und Koinonia (Gemeinschaft).

5.These
Die digitalen Medien und sozialen Netzwerke bieten neue Möglichkeiten der Kommunikation. Die aktuelle Corona-Krise hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, diese bei der Ausgestaltung der Arbeit der Kirche stärker in den Blick zu nehmen und zu nutzen.*
*Die reale Begegnung und Gemeinschaftserfahrungen sind aber nach wie vor wichtig und sinnvoll.